Wahrhaftigkeit – Kurzer Video Vortrag

Vortragsvideo zu folgendem Inhalt: Wahrhaftigkeit.

Ein Vortrag aus der Reihe „Klassische Yoga Vedanta Spiritualität“ – inspiriert durch Swami Chidananda. In diesem Video geht es um Themen wie Nimm dein Leben selbst in die Hand sowie um Leben.

Alles ist ein Teil des kosmischen Ganzen

Auf der Dharma-Ebenegilt aber auch, wir sollen auch das nicht mit Gewalt tun. Für andere etwas tun, sollte auch sattwig sein. Das kann man nämlich auch tamasig und rajasig tun. Tamasig heißt, man schadet dem anderen, man meint es gut, aber man könnte es besser wissen. Im Extremfall sind das die Ideologien des 20. Jh., Kommunismus, Leninismus, Maoismus. Sind alle – wie es bei den Nazis war, weiß man nicht, Hitler hat mindestens behauptet, er sei zum Wohl anderer da. Ob er ein Psychotiker war oder jemand, der Ideologien benutzt hat für persönliches Machtstreben, weiß man nicht genau – aber so viele Marxisten haben in Kauf genommen, dass viele Millionen von Menschen sterben, um die neue großartige Gesellschaft zu schaffen und notfalls müssen sie gewaltsam zu ihrem Glück bekehrt werden. Und nicht nur notfalls. Nach dem, was ich vor kurzem gelesen habe, hat Mao 50 bis 70 Millionen Menschen direkt oder indirekt umgebracht. Eine unglaubliche Menge. Und Stalin war nicht ganz so schlimm, aber 20 bis 30 Millionen gehen auch auf sein Konto. Da haben die Russen ganz schon was durchgemacht. Die Deutschen haben 30 Millionen umgebracht, und Stalin davor und danach. D.h., jeder 4. Russe ist dort gestorben.

So sollten wir uns auch bewusst sein: Man kann auch anderen etwas antun und sie damit zerstören. Das ist vermutlich jetzt in unserer Gesellschaft nicht das ganz große Problem

Rajasig ist aber auch möglich. Rajasig gibt es auf 2 Weisen: einmal, ich weiß, was für Dich am besten ist. Verallgemeinerung, für alle. Man geht zwar nicht über Leichen, und man zerstört die anderen nicht, aber man ist überzeugt, man hat die allein selig machende Wirklichkeit für alle gefunden. Fanatismus. Bekehrung. So einfach ist es nicht. Sondern auf sattwige Weise zum Wohl anderer da sein. Aber zu wissen: Jeder Mensch hat seine eigene Wahrheit, und das, was man heute weiß, mag morgen auch schon abewandelt werden müssen. Und alles was wir tun, sollten wir mit Mitgefühl tun. Und nicht denken, alles hängt nur von mir ab, sondern als Teil des kosmischen Ganzen. Das ist sattwig.

Dann muss man sich auch mal engagieren. Wie man z.B. bei Mahatma Gandhi gesehen hat. Damit kann man die, die Unrecht tun, auch ganz schön nerven. Aber Gandhi hat sein Buch auch genannt „Die Suche nach der Wahrheit“. Er hat nie gesagt, er hat sie endgültig gefunden. Er war weiter auf der Suche nach der Wahrheit. Er hat auch öfter mal seine Ansichten etwas geändert und immer wieder weiter entwickelt.

 

Das nächste ist, seine Talente zu entwickeln, das kann man auch sattwig, rajasig oder tamasig tun.

Tamasig würde z.B. heißen, seine Aggressionen zu leben, und andere damit wirklich schädigen, im Extremfall bis zu Mord.

Rajasig heißt, eine gewisse Rücksichtslosigkeit. Jetzt bin ich dran. Was jetzt meine Kinder, Partner, Eltern davon halten, ist mir vollkommen egal. Bei Eltern hängt es davon ab. Manchmal muss der junge Mensch auch mal rücksichtslos gegenüber den Eltern sein, sich abnabeln. Das ist heutzutage glaube ich allen klar. Viele von Euch sind Eltern. Manche haben vielleicht Kinder zwischen 16 und 25 und hätten es vielleicht gern, dass ihre Kinder sich etwas schneller abnabeln würden. Das ist heutzutage das größere Problem. Ich habe gerade vor kurzem gelesen, ein Grund, warum es in Deutschland so wenig Kinder gibt ist, dass die im zeugungsfähigen Alter zwischen 20 und 30 noch vielfach bei ihren Eltern wohnen und dass zudem das Zuschuss-System auch so ist, dass es das noch dazu unterstützt. Eltern bekommen nämlich Kindergeld, wenn die Kinder noch bei ihnen wohnen. In anderen Ländern wie Finnland und Frankreich wird im Gegenteil unterstützt, dass Kinder mit 18 ihr Zuhause verlassen. Ich meine, es müsste auch nicht notwendigerweise so sein. Ein 3-Generationen-Haushalt hätte auch etwas Gutes. Das ist eigentlich das, was Menschen in früheren Zeiten auch hatten.

Aber gut, wenn Eltern pflegebedürftig sind, haben Kinder oft auch Verpflichtungen. Wie die konkret sind, hängt dann von der Situation ab. Also jetzt nur das tun, was man von Herzen mag und rücksichtslos gegenüber anderen sein, ist auch nicht das A und O. Und diejenigen, die so das 100%ige Seinem-Herzen-Folgen propagieren, da muss man mal deren Leben anschauen. Einen Autor, den ich eigentlich von seinen Büchern sehr mag, Coelho, kennt ihr den, hat wunderschöne Bücher geschrieben, aber wenn man seine Biografie liest, dann denkt man, so will man nicht sein, ganz sicher nicht. Ich will jetzt nicht mehr sagen, im Internet könnt ihr da mehr drüber lesen…Also ein rajasiges Seinem-Herzen-Folgen ist nicht notwendigerweise etwas, was das eigene Leben und das anderer bereichert. Sattwig das leben, mit Rücksicht auf andere und auch Halten einiger Verpflichtungen, auch wenn es manchmal Brüche geben muss, wenn man manchmal aus schwierigen Situationen einfach heraus kommen muss und dann vielleicht auch mal verletzend sein muss.

Also, ihr seid, dadurch, dass ich mal das eine und mal das andere sage und mir ständig widerspreche, will ich Euch durchaus zeigen, der spirituelle Weg macht das Leben nicht unbedingt einfach. Er macht es sinnvoll, bringt es auf eine andere Ebene, ihr lernt, es bewusster zu leben, aber Yoga hat nicht Antworten auf alle Fragen im Leben, aber gibt einem Kriterien, wie man letztlich zu Antworten kommen kann.

– Fortsetzung folgt –

Dieser Yoga und Meditation Blog-Eintrag entstammt den unbearbeiteten Niederschriften aus einem Yoga Seminar zum Thema „Der Spirituelle Weg„. Dieses Seminar fand statt bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Es wurde angeleitet von Sukadev Bretz. Dieses Seminar war auch Teil einer Yogalehrer Ausbildung. Viele Vorträge von Sukadev kannst du auch als Yoga und Meditation Video anhören – und anschauen.

Vicharana – rechtes streben

Der spirituelle Weg Teil 5

Vicharana – rechtes streben

Ich hatte gestern gesprochen über die 7 Bhumikas.

Die erste der Bhumikas ist Subecha, Suche nach Wahrheit. Da erwachen die 4 Eigenschaften eines Schülers, die Sadhana Chatushtaya. Wie heißen die vier?

 

  1. Vairagya, Wunschlosigkeit, erwacht. Die Überzeugung, dass Erfüllung äußerer Wünsche einen nicht dauerhaft glücklich macht.
  2. Dann Viveka, letztlich die Unterscheidungskraft zwischen dem Dauerhaften und dem Vergänglichen, Unterscheidungskraft zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst, zwischen dem, was vielleicht vergnüglich ist, einen aber nicht unbedingt glücklich macht.
  3. Das Dritte ist Mumukshutwa, der Wunsch nach Befreiung, nach spiritueller Entwicklung, nach Einheit, nach Frieden, nach etwas Spirituellem, nach etwas, was einem nicht mehr weggenommen werden kann, was den Tod überdauert. Wie auch immer wir es ausdrücken wollen. All das ist Mumukshutwa.
  4. Shatsampat, die edlen Tugenden der Gleichmut und der geistigen Stärke. Diese erwachen in Subecha.

Irgendwann kommt dann die nächste, Stufe, die heißt Vicharana, rechtes Streben. Wir suchen nicht nur, sondern wir gehen jetzt auch einen Weg. Wir praktizieren, machen Sadhana, spirituelle Praktiken, deshalb sind wir dann genannt Sadhaka.

Und dort gilt es, die vier Eigenschaften weiter zu entwickeln. Auch bewusst zu entwickeln.

Die Vairagya zu fördern, auch durch Viveka, Unterscheidungskraft. Wir müssen nicht jeden Fehler machen, den andere auch begangen haben. Wir können auch lernen aus den Fehlern von anderen. Wir können auch vorausschauend überlegen, führt das, was wir wünschen, zum Ziel oder nicht. Das ist ja der große Vorteil von Menschen. Wir müssen nicht einfach nur unseren Instinkten folgen. Wir müssen nicht einfach nur unseren Gewohnheiten folgen. Wir können auch mit unserem Verstand fragen, und wir haben auch einen Zugang zur Intuition, zu der wir uns auch öffnen können und die uns von einer höheren Warte Führung geben kann.

– Fortsetzung folgt –

Dieser Yoga und Meditation Blog-Eintrag entstammt den unbearbeiteten Niederschriften aus einem Yoga Seminar zum Thema „Der Spirituelle Weg„. Dieses Seminar fand statt bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Es wurde angeleitet von Sukadev Bretz. Dieses Seminar war auch Teil einer Yogalehrer Ausbildung. Viele Vorträge von Sukadev kannst du auch als Yoga und Meditation Video anhören – und anschauen.

Der Zustand jenseits von Wünschen

Vairagya ist nicht so einfach zu übersetzen. Es hat auch je nach Kontext mehrere Bedeutungen. Vairagya hat eigentlich vom Wortstamm her die Bedeutung: Abwesenheit von Raga. Raga heißt Wunsch, Raga heißt mögen. Vairagya ist der Zustand jenseits vom Wünschen. Vairagya heißt die innere Überzeugung, dass nichts Äußeres einen dauerhaft glücklich macht. Die meisten würden ja zustimmen, Geld alleine macht nicht glücklich. Nicht nur hier im Raum, sondern, dazu könnte man eine Umfrage machen. Die Mehrheit würde dem zustimmen. Man kann sich fragen, warum geht so viel Energie nur dahin mehr Geld zu verdienen. Angenommen, es gäbe so etwas wie den Weihnachtsmann. Der würde einem alles bringen, was man nur will. Oder, wie die Fee in einem Märchen: Du hast drei Wünsche frei. Es muss aber ein äußerer Wunsch sein. Solange man denkt, man wäre ja glücklich, wenn das und das wäre, solange hat man noch kein tiefes Vairagya.

Man denkt:

–     Es müsste mich nur der oder der heiraten, dann wäre ich dauerhaft glücklich.

–     Ich müsste nur endlich ein Kind kriegen können. Wenn das mit dieser künstlichen Befruchtung funktioniert, dann werde ich  glücklich.

–     Wenn die Kinder endlich aus dem Haus sind, dann bin ich glücklich .

–     Wenn meine Mutter wieder gesund ist, dann werde ich glücklich sein.

–     Wenn endlich der Pflegefall vorbei ist, dann werde ich wieder leben können.

–     Wenn ich diese besondere Wohnung habe, mit diesem ganz besonderen Ausblick und dieser besonderen Küche, dann werde ich dauerhaft glücklich sein.

Gut, wenn wir das nicht mehr denken, dann ist Vairagya erwacht. Erwachtes Vairagya heißt nun nicht, dass es vollkommen ist. Wir haben weiter alle möglichen Wünsche, nur, wir wissen tief im Inneren, dauerhaft wird die Erfüllung dieser Wünsche mich nicht glücklich machen. Es muss etwas Tieferes geben. Angenommen, nur Vairagya ist da und die anderen drei nicht, dann kann das nicht nur positiv sein. Es kann sogar Menschen in große Krisen bringen und manche Formen von Depression sind eigentlich Erwachen von Subecha. Keineswegs alle Formen von Depressionen. Aber manche auch massiveren Formen von Depression, sogar Selbstmordgefährdungen können kommen, weil Vairagya erwacht aber Menschen nicht sehen, was sie tatsächlich glücklich machen könnte. Manche Menschen geraten eben in Verzweiflung und gerade in unserer Gesellschaft bekommt man nicht so oft die Spiritualität als eines der möglichen Lebensbilder mit.

Wir haben zwar viele Yogazentren und es gibt viele Meditationszentren, die Bücher des Dalai Lama sind Bestseller, aber trotzdem, das durchschnittliche Kind wächst nicht damit auf, dass eine seiner Möglichkeiten wäre, den Weg der Spiritualität zu gehen. Das könnte man auch mal überlegen. Damit wächst die Mehrheit unserer Kinder und Jugendlichen nicht auf. Es kann zu Krisen und es kann zu Süchten führen, wenn eine innere Suche angelegt ist, kommt es vor, dass Menschen diese betäuben. Da kommt es dann zur Sucht. Das normale Leben ist nicht aushaltbar, also muss ich das irgendwie betäuben. Auch hier ist es nicht so, dass jeder, der eine Sucht hat sich deshalb auf Subecha befindet. Aber es gibt doch einige davon. Nicht umsonst ist das bis heute erfolgreichste Programm gegen Alkoholismus das zwölf Schritte Programm der Anonymen Alkoholiker. Es ist ein spirituelles Programm. Ich kennen mich jetzt nicht so detailliert aus, also, ich habe hierzu keinen persönlichen Hintergrund. Aber ich kenne Menschen, die diesen Hintergrund hatten. Ich habe ihre Bücher gelesen und fand sie sehr interessant. Auf einer Stufe steht dort, dass man sich an Gott wendet, wie auch immer man ihn nennt und ihm alles anvertraut. Viele sagen, das ist der wichtigste Schritt gewesen, dass sie zu einer spirituellen Überzeugung kommen. Gerade diejenigen, die eigentlich in diesem Leben beginnende Subecha haben, die brauchen nicht viel mehr als diese neue Perspektive, um diese Süchte wieder los zu werden. Manche begeben sich auf Weltreise immer auf der Suche. Irgendwo muss es doch was geben. Andere werden Wissenschaftler auf der Suche nach der Wahrheit, nach irgendetwas Tieferem. Wieder andere lesen wahnsinnig viele Bücher .

– Fortsetzung folgt –

Dieser Yoga und Meditation Blog-Eintrag entstammt den unbearbeiteten Niederschriften aus einem Yoga Seminar zum Thema „Der Spirituelle Weg„. Dieses Seminar fand statt bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Es wurde angeleitet von Sukadev Bretz. Dieses Seminar war auch Teil einer Yogalehrer Ausbildung. Viele Vorträge von Sukadev kannst du auch als Yoga und Meditation Video anhören – und anschauen.