Die Bergpredigt – Vortragsreihe

Die Bergpredigt enthält die Essenz der Lehren von Jesus Christus. Daher spricht Sukadev gerade an Weihnachten über die Bergpredigt. Die Bergpredigt wurde von vielen Yoga Meistern in hohem Ansehen gehalten: Swami Vivekananda, Swami Prabhavananda. Mahatma Gandhi und Swami Sivananda sind Beispiele von Yoga Meistern des 20. Jahrhunderts, welche die Bergpredigt zur Maxime ihres Handelns gemacht […]

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Spiritualität und reine Lebensweise

Der letzte Aspekt dieser Bedürfnisse ist der von Moksha. Und auch das kann man sattwig, rajasig und tamasig tun. Ich will nur jetzt schon sagen. Auch Spirituelles ist nicht immer nur sattwig. Wir kennen das alle. Z.B. islamistische Fanatiker, Selbstmordanschläge, um in den Himmel zu kommen und aus der Welt einen besseren Ort zu machen. Religionskriege, 30er-jähriger Krieg, 40 % der deutschen Bevölkerung umgebracht. Das wäre so, wie wenn es heute einen Krieg gäbe und 35 Millionen Deutsche umkommen würden. Dagegen war der 2. Weltkrieg gar nichts. Wobei dieser für die Deutschen ja nicht so schlimm war wie für die Russen und Polen, wo die Deutschen ja ganz furchtbar gehaust haben. Es ist ja eines der ganz großen Wunder, dass die Russen und Polen heute ein so positives Deutschlandbild haben. Also was dort letztlich die Generation unserer Väter oder Großeltern gemacht hat – auch wenn es keiner war, aber das waren nicht nur ein Dutzend Leute – war schlimm. Aber nicht nur in politischen Ideologien sondern auch in religiösen Ideologien werden ganz schlimmeDinge gemacht. Da braucht man nicht nur über die Islamisten schimpfen. Die Christen – welche eigentlich vom Anspruch von Jesus her die gewaltfreieste Religion sein sollte – waren diejenigen, in deren Namen die schlimmsten Greueltaten verübt wurden.

Und hier müssen wir auch aufpassen. Spiritualität muss auch sattwig gelebt werden.

Nicht tamasig, zerstörerisch, fanatisch, auch hier gilt es, Ahimsa, Nicht-Töten wirklich zu beachten.

Auch nicht rajasig. Rajasig hieße: Man hat die allein selig machende Wahrheit gefunden. Mit allem anderen kommen wir in die Hölle. Man kann übrigens sagen, die Christen sind die Erfinder des Alleinanspruchs einer bestimmten Glaubensrichtung. Das gab es vorher nicht. Die Griechen haben nie gedacht, dass der Glaube an ihre Götter die einzig selig machende Wahrheit ist. Die Hindus haben es nicht gedacht, die Buddhisten haben es nicht gedacht, die Parsis, die Manichäer nicht, hat keiner gedacht. Nur dann im Christentum gab es diese Erfindung. Jesus selbst hat das nicht gemeint. Da gibt es zwar diesen Ausspruch: Niemand kommt zum Vater denn durch Mich. Mir ist gegeben alle Macht auf Erden. Man nimmt heute in der modernen Bibelforschung an, dass er das nie so gesagt hat. Die Evangelien haben eine langjährige Entstehungsgeschichte. Man nimmt heute an, dass er einiges tatsächlich so gesagt hat, und einiges wurde im gegen Ende des 1. Jh. n.Chr. einfach in den Mund gelegt.

Also, wenn man denkt, meine Glaubensweise ist die allein selig machende, das ist rajasig.

Glücklicherweise denken das auch mindestens die offiziellen Kirchen heute nicht mehr. Der vorige Papst Johannes II. hat mehrere ganz große Änderungen gemacht. Vorher schon im 2. Vatikanum wurde schon gesagt, auch Protestanten können in den Himmel kommen. Vorher hieß es, wer nicht Katholisch ist, kann nicht in den Himmel kommen sondern kommt in die Hölle. 2. Vatikanum hat schon gesagt, Protestanten kommen auch in den Himmel, alle Christen können in den Himmel kommen und die Erlösung erreichen und eventuell auch Angehörige anderer Religionen. Und Papst Johannes Paul II. und Benedikt hat das vor kurzem nochmal stark bekräftigt: auch Angehörige von Judentum und Islam kommen in den Himmel. Wie das mit den angeblich polytheistischen Religionen ist, da sind sie sich noch nicht ganz so sicher. Aber immerhin der Alleinvertretungsanspruch ist aufgegeben worden, sowohl von der katholischen wie von der evangelischen Kirche. Das ist nicht bis in alle Pfarreien durchgedrungen. Und es gibt auch einige neue fundamentalistische Bewegungen. Da muss man sich auch bewusst sein. Die Pfingstgemeinden sind die am stärksten wachsenden christlichen Gemeinden. Auch in Deutschland, aber sehr viel stärker in Afrika und Südamerika. Die haben den Alleinvertretungsanspruch. Aber glücklicherweise nicht mit Gewalt verknüpft, also rajasig und nicht tamasig, und da kann man nur hoffen, dass es sich dann ins Sattwige entwickelt, wie es meiner Ansicht nach die Kirchen gemacht haben und nicht in gewalttätigen tamasigen Fundamentalismus absinken.

So müssen wir auch den spirituellen Weg gehen und uns bewusst sein, wir müssen ihn sattwig gehen, einen sattwigen Weg gehen und wir müssen selbst aufpassen, dass wir nicht in rajasiges Missionartum absinken. Weder annehmen, unser Weg ist der einzige noch ist er der schnellste. Das ist so eine moderne Weise des rajasigen Weges: „Ja, andere Wege führen auch zur Befreiung, aber das dauert 20 Leben. Ich dagegen habe die Abkürzung gefunden und bin der Einzige in diesem Zeitalter, der diese Abkürzung lehrt.“ Wir suchen ja alle nach Abkürzungen, oder? Ihr vielleicht nicht? Also ich habe lange Jahre nach dem schnellen Weg und so im Hinterkopf hoffe ich immer noch, irgendwann plötzlich den Sprung zu schaffen, obgleich ich weiß, es wird wahrscheinlich weiter Schritt für Schritt gehen. Also, wir müssen sehr aufpassen, dass wir nicht Rajasigem unterliegen.

Da will ich heute Nachmittag vielleicht noch ein paar Worte dazu sagen, und dann zügig durch Tanumanasa, Sattwapati, Asamshakti, Tadarthabhavani und Turiya die nächsten Stufen gehen. Aber es gibt einen guten Grund, warum ich jetzt auf Vicharana länger verweile. Erstens, die Mehrheit von Euch befindet sich dort und zweitens, ab Tanumanasa wird es leichter und drittens, wir haben auch Wochenenden, wo wir mehr über die höheren Stufen sprechen, besonders die schweigenden Meditations-Intensiv-Wochenenden, wo man mehr darüber spricht, wie ist es, sich auf Tanumanasa, Sattwapati oder Asamshakti etc. sich zu befinden.

– Fortsetzung folgt –

Dieser Yoga und Meditation Blog-Eintrag entstammt den unbearbeiteten Niederschriften aus einem Yoga Seminar zum Thema “Der Spirituelle Weg“. Dieses Seminar fand statt bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Es wurde angeleitet von Sukadev Bretz. Dieses Seminar war auch Teil einer Yogalehrer Ausbildung. Viele Vorträge von Sukadev kannst du auch als Yoga und Meditation Video anhören – und anschauen.

Geschichte: Brülle wie ein Berglöwe, und blöke nicht wie ein Schaf

Die Geschichte vom Berglöwen und von Schafen – eine Geschichte vom Aufwachen aus der Täuschung. Diese Berglöwe Geschichte ist eine uralte Yoga Geschichte – viele Yoga Meister haben immer wieder gerne diese Geschichte vom Berglöwen und Schafslöwen erzählt. Lies selbst:

Es war einmal vor langer, langer Zeit eine Berglöwin, die war tragend und im Moment der Geburt ist sie gestorben. Nur eines der Berglöwenbabys hat überlebt und das mauzte und schrie nach seiner Mutter. Zum gleichen Zeitpunkt gab es eine Schafsmutter, die auch tragend war. Als sie gebar, waren alle Lämmlein tot geboren. Die Schafsmutter schrie vor Verzweiflung nach ihren Lämmern. Schließlich fand die Schafsmutter das Löwenbaby und adoptierte es. Das Berglöwenbaby trank die Milch der Schafsmutter, wuchs auf, fing an zu blöken wie ein Schaf, fing an Gras zu fressen wie ein Schaf und dachte, es wäre ein Schaf. Es merkte natürlich, dass es ein bisschen anders war als die anderen Schafe und wuchs so auf, wie ein Schaf mit Minderwertigkeitskomplexen.

Eines Tages kam der Berglöwe. Der König des Waldes! Er wollte mal nach dem Rechten sehen. Unten sah er die Schafsherde und – inmitten der Schafsherde sah er dort einen anderen Berglöwen. Dieser Löwe lief offensichtlich ganz verschüchtert mal hier-, mal dorthin und wurde von den anderen Schafen hin und her geschubst. Der alte Berglöwe dachte: „Was für eine Schande für meine königliche Familie!“ Er rannte dort runter. Die Schaf stoben in alle Richtungen davon und der Berglöwe nahm den Schafslöwen am Nackenfell und sagte ihm: „Was machst du denn hier?“ der Schafslöwe antwortete „Bäh, bäh, bäh, lass mich in Ruhe. Ich bin der einzige Sohn meiner Mutter.“ „Deine Mutter? Wo ist sie denn?“ – „Sie rennt dort hinten, aber du kriegst sie nicht mehr.“ – „Aber, das ist doch ein Schaf!“ – „Ja natürlich!“ – „Aber du bist doch ein Berglöwe, wie ich !“ – „Nein, nein, ich bin ein Schaf. Bitte erzähl mir keine Geschichten vom Berglöwen. Lass mich in Ruhe. Ich bin der einzige Sohn meiner Mutter und muss mich um sie kümmern.“ – „Was erzählst du für eine unsinnige Geschichte? Du bist ein Berglöwe wie ich. Du bist jünger als ich. Du könntest stärker sein als ich. Wenn du willst, wehre dich, wie ein Löwe.!“ – „Bäh, bäh, bäh, ich glaube dir ja alles. Aber bitte, lass mich in Ruhe!“ – „Ich werde dir beweisen, dass du ein Berglöwe bist.“ So nahm unser Berglöwe den Schafslöwen am Nackenfell, schleifte ihn zu einem See und sagte: „Jetzt guck, was siehst du dort?“ – „Bäh, bäh, bäh, ich sehe gar nichts.“ – „Öffne gefälligst die Augen, ich tue dir schon nichts! Was siehst du jetzt?“  – „ Ich sehe nur Wellen.“ – „Schnauf nicht so, atme ruhiger!“ – „Atme 3 bis 4 Sekunden lang ein, Bauch heraus, 3 bis 4 Sekunden lang aus, Bauch hinein. Was siehst du jetzt?“ – „Ich sehe dich zweimal.“ – „Schau genauer hin!“ unser Schafslöwe drehte den Kopf nach links und nach rechts. Plötzlich dämmerte ihm etwas. Er schaute fragend den Berglöwen an. Dieser nickte und sagte: „Tat twam asi – DAS bist du.“. Der Schafslöwe antwortete: „Aham simha asmi! Ich bin dieser Löwe!“ und zum ersten Mal in seinem Leben brüllte er wie ein Löwe, wie ein großer Berglöwe und hatte niemals mehr Angst vor irgendetwas.

Was will uns diese Berglöwe Geschichte sagen? Wir sind wie dieser Schafslöwe. Wir sind aufgewachsen im Glaube, “ich bin schwach …,  ich bin dumm …,  ich kann nur wenig …, ich habe diese Beschwerden …,  ich habe jene Beschwerden …, ich bin 46 Jahre alt …, ich bin deutsch, italienisch, französisch …, ich bin Christ, Moslem, Hindu, Buddhist …, ich bin Künstler …, ich bin Handwerker …, ich bin intellektuell …, ich bin ein einfacher Mensch… “. So identifizieren wir uns mit verschiedensten begrenzenden Attributen. Und dann kommt ‚der Berglöwe’. Der Berglöwe in dieser Geschichte steht für den Meister, den Guru. Der Meister sagt: „Du bist das unsterbliche Selbst. Du bist die ewige Seele. Du bist ‚Sat – chit – ananda’, ‚Sein – Wissen – Glückseeligkeit’!“ Dann sagen wir: „Meister, DU bist die ewige Seele und die Unendlichkeit. Ich bin nur ein armer Schlumpf.“ Sagt der Meister: „Nein! Du bist wie ich. Es gibt keinen Unterschied zwischen dir und mir.“ Auch Jesus hat gesagt: „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“, „Wenn der Jünger vollkommen ist, wird er wie sein Meister.“ So hat er seine Jünger immer wieder aufgefordert. Die Jünger haben immer wieder gesagt, „ …wir wissen nicht …“, „… wir können nicht …“, Jesus hat sie immer wieder aufgefordert: „Seid vollkommen!“ Paulus hat nachher gesagt: „Nicht ich bin, sondern Jesus ist in mir.“

Denke öfter nach an diese Berglöwe Geschichte, an diese Geschichte von Löwen und Schafen. Blöke nicht wie ein Schaf – brülle wie ein Löwe. Wie der Berglöwe in der Geschichte gedacht hat, er sei ein Schaf – und dann erkannte dass er ein Löwe war, so erkenne du, dass du in dieser Lebens-Geschichte kein Schaf bist, der sich vor allem ängstigt. Vielmehr bist du wie ein Löwe, wie ein Berglöwe – sei mutig!

– Fortsetzung folgt –

Dieser Yoga und Meditation Blog-Eintrag entstammt den unbearbeiteten Niederschriften aus einem Yoga Seminar zum Thema “Der Spirituelle Weg“. Dieses Seminar fand statt bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Es wurde angeleitet von Sukadev Bretz. Dieses Seminar war auch Teil einer Yogalehrer Ausbildung. Viele Vorträge von Sukadev kannst du auch als Yoga und Meditation Video anhören – und anschauen